Informationen für Arbeitgebende und -nehmende

Arbeitslosenversicherung
Die Arbeitslosenversicherung (ALV) ist wie die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) eine obligatorische schweizerische Sozialversicherung. Alle in der AHV beitragspflichtigen Arbeitnehmenden und ihre Arbeitgebenden müssen Beiträge an die ALV leisten.

Höhe der Beiträge
JahreslohnmonatlichBeitragssatzArbeitgeber/
in Frankenin FrankenArbeitnehmer
bis 148 20012 3502,2 %je 1,1 %
ab 148 20012 3501,0 %je 0,5 %
Die Arbeitgebenden liefern die ALV-Beiträge, die sie vom Lohn ihrer Arbeitnehmenden abzogen, zusammen mit ihren eigenen Beiträgen und gleichzeitig mit den Beiträgen an die AHV, IV und EO ab. Die Ausgleichskassen geben für die Abrechnung Formulare ab. Auf den ALV-Beiträgen sind keine Verwaltungskostenbeiträge zu entrichten.
Beiträge an die kantonale Familienausgleichskasse (FAK)
Diese betragen für Mitglieder der kantonalen Familienausgleichskasse 1,6 Prozent der massgebenden FAK-Lohnsumme. Die FAK-Beiträge sind für alle in der Schweiz wohnhaften oder tätigen Personen zu leisten, auch für mitarbeitende Ehepartnerinnen und -partner von Aktionären, Verwaltungsräten und ähnlichen.
» Familienausgleichskasse (FAK)
Beiträge an die eidgenössischen Familienzulagen in der Landwirtschaft (FLG)
Diese betragen 2% der massgebenden FLG-Lohnsumme. Die FLG-Beiträge sind für sämtliche in der Landwirtschaft tätigen Arbeitnehmenden zu leisten, mit Ausnahme der Eltern, der Ehefrau oder des Ehemannes, der Kinder und Enkel der Betriebsinhaberin bzw. des Betriebsinhabers.
» Familienzulagen in der Landwirtschaft (FLG)
Verwaltungskostenbeiträge (VK)
Diese sind ausschliesslich von den Arbeitgebenden zu tragen. Die Verwaltungskosten werden von der Summe der AHV/IV/EO-Beiträge berechnet. Von den Beiträgen an die Familienausgleichskasse und Arbeitslosenversicherung werden keine Verwaltungskosten erhoben. Die Berechnung erfolgt separat je auf den Lohnbeiträgen und den persönlichen Beiträgen.
Obligatorische Unfallversicherung (UVG)
Nach dem Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG) ist die Unfallversicherung für alle in der Schweiz beschäftigten Arbeitnehmenden obligatorisch.


Versicherungspflicht
Obligatorisch versichert sind alle Arbeitnehmenden, einschliesslich Heimarbeiter, Lehrlinge, Praktikanten, Volontäre sowie in Lehr- oder Behindertenwerkstätten tätige Personen. Obligatorisch versichert sind auch Personen, die zur Abklärung der Berufswahl bei einem Arbeitgeber tätig sind (Schnupperlehrlinge), für die Dauer dieser Tätigkeit.


Nicht obligatorisch versichert sind namentlich
- mitarbeitende Familienmitglieder, die keinen Barlohn beziehen und keine Beiträge an die AHV entrichten oder die gemäss Bundesgesetz über die Familienzulagen in der Landwirtschaft den selbständigen Landwirten gleichgestellt sind;


- Personen, die eine Nebenerwerbstätigkeit ausüben und weniger als CHF 2’300 verdienen.

In der Schweiz wohnhafte Selbständigerwerbende und ihre nicht obligatorisch versicherten mitarbeitenden Familienmitglieder können sich freiwillig versichern.
» Selbständigerwerbende
Versicherer
Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind je nach Versichertenkategorie bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) oder bei anderen zugelassenen Versicherern (Privatversicherer, Krankenkassen) zu versichern. Die anderen Versicherer haben eine Ersatzkasse errichtet. Diese erbringt die gesetzlichen Versicherungsleistungen an verunfallte Arbeitnehmerinnen oder Arbeitnehmer, für deren Versicherung nicht die Suva zuständig ist und die von ihrem Arbeitgeber nicht versichert worden sind.

Die Arbeitgebenden, deren Betriebe nicht schon von Gesetzes wegen bei der Suva versichert sind, sorgen dafür, dass ihre Arbeitnehmenden bei einem Privatversicherer oder einer Krankenkasse versichert sind.
Die Liste der Unfallversicherer kann beim Bundesamt für Bauten und Logistik, Vertrieb Publikationen, 3000 Bern, bezogen werden.
Gegenstand der Versicherung
Die Versicherungsleistungen werden bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt. Arbeitnehmende, deren wöchentliche Arbeitszeit bei einem Arbeitgeber nicht mindestens 8 Stunden beträgt, sind jedoch nur gegen Berufsunfälle und Berufskrankheiten versichert, wobei Unfälle auf dem Arbeitsweg als Berufsunfälle gelten.

Prämien
Die Prämien für die obligatorische Versicherung der Nichtberufsunfälle gehen zu Lasten der Arbeitnehmenden. Abweichende Abreden zu ihren Gunsten bleiben vorbehalten. Die Arbeitgebenden schulden den gesamten Prämienbetrag. Sie ziehen den Anteil der Arbeitnehmenden vom Lohn ab.

Pflichten bei Übernahme eines Betriebes
Geht ein Betrieb auf einen anderen Inhaber über, so muss der neue Besitzer die Übernahme innert 14 Tagen dem bisherigen Versicherer melden.

Ersatzprämien
Die Suva oder die Ersatzkasse erheben von den Arbeitgebenden, die ihre Arbeitnehmenden nicht versichert oder die Eröffnung des Betriebes der Suva nicht gemeldet haben, für die Dauer der Säumnis, höchstens aber für fünf Jahre, eine Ersatzprämie in der Höhe des geschuldeten Prämienbetrages. Der Betrag wird verdoppelt, wenn sich die Arbeitgebenden in unentschuldbarer Weise der Versicherungspflicht entzogen haben. Kommen die Arbeitgebenden ihren Pflichten wiederholt nicht nach, so kann eine Ersatzprämie vom drei- bis zehnfachen Prämienbetrag erhoben werden. Ist als Ersatzprämie der einfache Prämienbetrag zu entrichten, werden Verzugszinsen berechnet. Ersatzprämien dürfen den Arbeitnehmenden nicht vom Lohn abgezogen werden.

Erfassungskontrolle
Die Kantone überwachen die Einhaltung der Versicherungspflicht. Die Arbeitgebenden sind verpflichtet, die erforderlichen Auskünfte der vom Kanton bezeichneten Stelle, in der Regel der kantonalen AHV-Ausgleichskasse, zu erteilen.

Auskünfte
Auskünfte erteilen die Unfallversicherer.
Berufliche Vorsorge (BVG)

Allgemeines

Aufgrund des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) müssen alle Arbeitgeber, die obligatorisch zu versichernde Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigen, einer registrierten Vorsorgeeinrichtung angeschlossen sein. Die Arbeitgebenden tragen für den ordnungsgemässen Vollzug des BVG eine zentrale Verantwortung.

Versicherungspflicht
Das Obligatorium der beruflichen Vorsorge gilt grundsätzlich für alle, die als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer in der AHV beitragspflichtig sind. Ausgenommen davon sind Arbeitnehmende
- bis zum 31. Dezember nach Zurücklegung des 17. Altersjahres und solche, die das 65. Altersjahr (Männer) bzw. das 64. Altersjahr (Frauen) überschritten haben;

- die beim Arbeitgeber einen Jahreslohn von weniger als 21 510 Franken bzw. einen Monatslohn von weniger als 1 792.50 Franken beziehen (Stand 2021);

- deren Arbeitgeber in der AHV nicht beitragspflichtig ist;

- die einen befristeten Arbeitsvertrag von höchstens 3 Monaten haben;

- die nebenberuflich tätig sind und bereits für eine hauptberufliche Erwerbstätigkeit obligatorisch versichert sind oder im Hauptberuf eine selbständige Erwerbstätigkeit ausüben;

- die im Sinne der Invalidenversicherung zu mindestens 2/3 invalid sind;

- die als Familienangehörige des Betriebsleiters in auf- und absteigender Linie (Kinder, Eltern) oder als Schwiegersohn, der voraussichtlich den Betrieb zur Selbstbewirtschaftung übernehmen wird, in einem landwirtschaftlichen Betrieb mitarbeiten.

Wahl der Vorsorgeeinrichtung
Arbeitgebende, die noch über keine registrierte Vorsorgeeinrichtung verfügen, haben die Wahl der Vorsorgeeinrichtung im Einverständnis mit dem Personal vorzunehmen.

Sie haben die Möglichkeit,
sich einer bestehenden Vorsorgeeinrichtung anzuschliessen (beispielsweise Sammel- oder Gemeinschaftseinrichtung des Berufsverbandes, einer Versicherungsgesellschaft oder einer Bank), oder
- eine eigene Vorsorgeeinrichtung zu errichten, oder
- sich bei der Auffangeinrichtung anzuschliessen.
Erfassungskontrolle
Die AHV-Ausgleichskassen kontrollieren, ob alle Arbeitgebenden, die dem Obligatorium unterstehende Arbeitnehmerinnen oder Arbeitnehmer beschäftigen, einer registrierten Vorsorgeeinrichtung angeschlossen sind.

Arbeitgeber, die ihrer Pflicht zum Anschluss an eine Vorsorgeeinrichtung nicht nachkommen, werden der zuständigen kantonalen Aufsichtsbehörde gemeldet. Diese meldet den Arbeitgeber nach unbenutztem Ablauf einer 6-monatigen Frist bei der Auffangeinrichtung zum Anschluss an.

Löst der Arbeitgeber einen Anschluss-Vertrag mit einer Vorsorgeeinrichtung auf, obwohl er nach wie vor dem Obligatorium der beruflichen Vorsorge unterstellte Arbeitnehmende beschäftigt, so hat er sich unverzüglich wieder einer registrierten Vorsorgeeinrichtung anzuschliessen. Die bisherige Vorsorgeeinrichtung meldet der zuständigen AHV-Ausgleichskasse die Vertragsauflösung für die Kontrolle des Wiederanschlusses des Arbeitgebers. Erfüllt er diese Verpflichtung nicht, so meldet ihn die AHV-Ausgleichskasse der zuständigen Aufsichtsbehörde für die Wiederanschlusskontrolle.

Die Arbeitgebenden müssen zuhanden der AHV-Ausgleichskasse folgende Unterlagen aufbewahren:
- eine Bescheinigung der Vorsorgeeinrichtung, aus der hervorgeht, dass der Anschluss nach den Vorschriften des BVG erfolgt ist, oder
- die Kopie des Entscheides der Aufsichtsbehörde über die Registrierung, wenn eine eigene Vorsorgeeinrichtung errichtet wurde.
Obligatorische Versicherung von Selbständigerwerbenden
Berufsgruppen von Selbständigerwerbenden können vom Bundesrat auf Antrag ihrer Berufsverbände der obligatorischen Versicherung allgemein oder für einzelne Risiken unterstellt werden. Voraussetzung ist, dass in den entsprechenden Berufen die Mehrheit der Selbständigerwerbenden dem Verband angehören.


Auskünfte
Auskünfte erteilen die Vorsorgeeinrichtungen, die kantonalen BVG-Aufsichtsbehörden und die Auffangeinrichtung.


Kantonale BVG-Aufsichtsbehörde
Ostschweizer BVG- und Stiftungsaufsicht
Poststrasse 28
Postfach 1542
9001 St.Gallen
Tel. 071 226 00 60